Pressemitteilung

Murat Kizilsac, CEO Anex Deutschland (l.), und Gaspare Accetta, Chief Commercial Officer, wollen in den nächsten Jahren den Marktanteil der Veranstaltergruppe in Deutschland deutlich ausbauen.

16.09.2022 | Wie die Anex-Gruppe zu den Großen gehören will

Zur Anex-Gruppe gehören in Deutschland die Veranstalter Anex Tour, Öger Tours, Bucher Reisen und Neckermann Reisen. Wie Geschäftsführer Murat Kizilsac und CCO Gaspare Accetta die vier Marken abgrenzen und der Gruppe zu deutlichem Wachstum verhelfen wollen, erläutern sie im Interview.

Mit dem Timing hat Anex Tour in Deutschland ein Thema: 2016 gestartet, trafen den Veranstalter, der zur türkischen Holding Anex Tour Group gehört, gleich mehrere Herausforderungen. Aus der Thomas-Cook-Pleite übernahm das Management Öger Tours und Bucher Reisen sowie die Markenrechte für Neckermann Reisen. Die Eigenständigkeit der Veranstalter blieb weitestgehend erhalten. Öger Tours sitzt in Hamburg, Bucher Reisen in Meerbusch.In diesem Jahr überraschte Anex gleich doppelt: Das Unternehmen brachte die Marke Neckermann an den Start und fliegt mit Mavi Gök Air wieder mit einer konzerneigenen Airline. 2018 war Anex damit noch gescheitert.

Sie sind 2016 in Deutschland gestartet, seitdem gab es immer wieder Probleme, Stichwort Pandemie oder Air-Berlin-Pleite. Wie ist dieser Sommer für Sie gelaufen?
Murat Kizilsac: Wir hatten tatsächlich ein schlechtes Timing. Aber da wir als türkisches Unternehmen neu und klein auf den Markt kamen, waren die Erwartungen nicht so groß. Nun haben wir den deutschen Markt verstanden, jetzt erwartet die Zentrale in der Türkei Magisches (lacht). 2020 lief sehr gut an, bis Februar hatten wir bereits Buchungen wie 2019 gesamt. Dann kam die Pandemie. Für dieses Jahr sind wir ganz glücklich. Es sieht so aus, als hätten wir bis Ende September die Zahlen von 2021 mehr als verdoppelt. Und für den Winter erwarten wir 20 Prozent mehr Gäste.

Werden Sie also in Kürze profitabel in Deutschland arbeiten?
Kizilsac: Ja, richtig, im laufenden Geschäftsjahr erwarten wir ein positives Ergebnis.

Und wie steht es um die wirtschaftliche Lage der Holding? Das fehlende Russland- und Ukraine-Geschäft dürfte Sie empfindlich treffen?
Kizilsac: Wie ist es, wenn Sie morgens aufwachen und mehr als 50 Prozent Ihrer Gäste fehlen? Aber die Anex Group arbeitet weiter profitabel. Es gibt noch immer gut 1,2 Mio. Gäste aus Russland, Weißrussland oder der Ukraine. Es sind weniger Buchungen, dafür generieren wir aber mehr Umsatz je Gast.

Wie unabhängig sind sie von der Zentrale in der Türkei?
Kizilsac: Anex hat für jeden Quellmarkt eine eigene Strategie, denn die Länder haben unterschiedliche Ansprüche. Jeder Markt ist eigenverantwortlich, kann aber je nach Bedarf auf die gebündelten Leistungen in der Zentrale zugreifen. Das erlaubt schnelles Agieren.

Das heißt, Sie können unterschiedliche Zielgebietsagenturen nutzen?
Kizilsac: Das war nicht immer so, aber weil wir jetzt konkurrierende Marken anbieten, müssen wir mit unterschiedlichen DMC arbeiten, um das Produkt besser differenzieren zu können.

Wie erfolgreich wollen Sie mittelfristig, also etwa in fünf Jahren sein?
Kizilsac: Ich kann keine Gästezahlen nennen. Ich würde gern auf einen Marktanteil von gut 20 Prozent bei Pauschalreisen in Deutschland kommen.

Mit Neckermann hat die Anex-Gruppe die vierte Marke, die dritte aus der Thomas-Cook-Pleite, im Markt. Wie trennen Sie die Marken?
Gaspare Accetta: Die Thomas-Cook-Marken sind seit Jahrzehnten am Markt und sind sehr wertvoll, das heißt, die Verbraucher kennen sie bestens. An uns liegt es jetzt, sie zu revitalisieren.
Anex ist unser Vollsortimenter, von Low-Budget bis Luxus. Die Marke ist in der Türkei sehr stark, in Deutschland müssen wir noch an der Awareness arbeiten. Aber wir machen knapp 50 Prozent unseres Gruppenumsatzes mit Anex. Neckermann als Traditionsmarke zielt auf Familien und Best Ager. Da muss nicht jedes Hotel im Angebot sein, aber jedes eine Weiterempfehlungsrate von mehrals 90 Prozent und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis haben. Mit Bucher decken wir das Last-Minute-Geschäft ab, hier profitieren wir noch vom Kurzfristtrend. Mit Bucher können wir auf alle DMC zugreifen. Öger ist eine extrem starke Marke und unser Türkei- und Orient-Spezialist, auch abseits vom Sun-&-Beach-Produkt. Diese Ausrichtung müssen wir nicht nur nach außen, sondern auch innen leben. Aber wir sind auf einem sehr guten Weg.

Warum sind sie mit Neckermann erst kurz vor der Sommersaison in diesem Jahr gestartet?
Kizilsac: Anex hat die Marke einen Monat nach der Übernahme von Öger und Bucher gekauft. Aber Achtung, nur den Markennamen. Hier war also viel Aufbauarbeit zu leisten, bei den anderen beiden Unternehmen waren Mitarbeiter, Know-how und so weiter noch vorhanden. Wenige Monate nach den Übernahmen kam Corona, und wir mussten mit Neckermann warten.

Und dann wechselte kurz nach dem Start bereits das Management.
Kizilsac: Das ist korrekt. Michael Nickel war für den Beginn ein sehr guter Berater, ein Mann fürs Produkt. Mit Carsten Burgmann, der Anex bereits aus den Anfängen kennt, haben wir jetzt jemanden mit Blick auf Marketing und Sales.

Ist das nötig, weil die Reisebüros eher reserviert auf Neckermann reagieren?
Accetta: Ich denke, die Zurückhaltung liegt an dem für sie arbeitsreichen Ende von Thomas Cook. Die Urlauber jedenfalls würden laut einer Umfrage zu 70 Prozent wieder Neckermann buchen. Es ist die zweitbekannteste Veranstalter-Marke nach TUI. Neckermann ist mit den Reisebüros groß geworden und umgekehrt! Das ist wieder möglich.

Wie wollen Sie mit Neckermann bei den Büros um Vertrauen werben?
Accetta: Genauso wie mit den anderen Marken. Wir müssen uns stärker mit den Büros vernetzen und mehr zuhören, denn Tourismus ist People Business. Das haben wir mit Formaten wie unserer Expertenrunde, Speed Datings und Fam Trips schon getan und werden dies auch weiter fortführen. Mittelfristig will ich inhouse die Vertriebsstruktur aus- und umbauen. Auch unsere technischen Systeme müssen optimiert werden, damit die Büros so selbstständig wie möglich die Buchungen bearbeiten können. Unser Provisionssystem halten wir verlässlich seit mehreren Jahren stabil, ohne Mindestumsatz und zehn Prozent mindestens.

Kizilsac: Und wir wollen 2023 mehr Verbraucherwerbung schalten, damit die Kunden in die Büros gehen und aktiv nach Neckermann fragen. Wir sind ein bisschen Old School, wenn man so sagen will. Wir glauben fest an das Geschäft über die Reisebüros.

Accetta: Werben wollen wir zunächst in Nordrhein-Westfalen, weil wir hier die höchste Reisebüro-Dichte haben. Und im Anschluss bundesweit.

Mit wie vielen Reisebüros arbeiten Sie mittlerweile zusammen?
Accetta: Seit Jahresbeginn sind 400 Büros dazugekommen, damit sind es jetzt mehr als 4500. Aber wichtig ist, wie viele uns aktiv verkaufen. Und das sind 70 Prozent.

Zählt zu den vertrauensbildenden Maßnahmen auch das Einstellen von Mitarbeitern?
Accetta: Wer einen guten Service bieten will, muss das entsprechende Personal haben. Das gilt für uns als Reiseveranstalter genauso wie beispielsweise für Airlines. Wir haben während der Pandemie keine Mitarbeitenden entlassen. Und wir suchen: In den vergangenen sechs Monaten haben wir 50 Personen eingestellt. Aktuell arbeiten bei uns 102 Kolleginnen und Kollegen, 56 bei Anex Tour, 25 bei Bucher und 21 bei Öger.

Mit der Fluggesellschaft Azur Air ist Anex beim Start in Deutschland gescheitert. Wieso jetzt ein neuer Versuch mit Mavi Gök?
Kizilsac: Da gibt es einen sehr wesentlichen Unterschied: Azur Air war und sollte eine deutsche Airline sein. Wir haben die Komplexität des Marktes hier aber unterschätzt. Doch Mavi ist in der Türkei beheimatet und trägt dort das kaufmännische Risiko. Azur flog nur für Deutschland, Mavi Gök wird in der Lagesein, Abflüge in jedes Land für alle unsere Veranstalter zu fliegen. Sie bietet uns lediglich Sitzplätze an. Wir arbeiten nur bei guten Preisen zusammen. So viel zu unserer Unabhänigkeit (lacht). 2023 wollen wir aus Deutschland in sechs bis sieben Länder mit Mavi fliegen.

Apropos Preise: Was glauben Sie, wie sie sich entwickeln werden?
Kizilsac: Ich denke, im Winter wird sich noch nicht viel ändern. Hauptsächlich kommen die Preissteigerungen von den Airlines, die Hotels ziehen mit den Preisen nicht deutlich an. Für den Winter wurden die Verträge bereits gemacht, als die Energiepreise und die Inflation noch niedriger waren. Für den kommenden Sommer haben wir noch kein abschließendes Bild, was die Preisentwicklung betrifft. Der Hoteleinkauf für den Sommer ist aktuell noch nicht abgeschlossen.

Das scheint mir optimistisch.
Kizilsac: Ich mache mir nicht allzu viel Sorgen. Die Menschen werden am Urlaub, zumindest zunächst, nicht sparen. Sie sparen an den Heizungskosten. Oder sie warten ab. Ich erwarte, dass 2023 ein Last-Minute-Jahr wird, also sehr gut für Bucher Reisen. Urlaub ist kein Luxusgut mehr, sondern gehört zum Leben dazu. Die Menschen gehen vielleicht seltener, oder kürzer, aber sie werden auf jeden Fall verreisen.

Wird das Last-Minute-Geschäft enden, wenn die Preise steigen?
Kizilsac: 2023 noch nicht, das wird ein Kurzfristjahr. Wir werden aber mit unseren weiteren Marken versuchen, auch die Frühbucher zu gewinnen.


Über ANEX Tour: Der Generalist Anex Tour hat rund 20 Urlaubsländer im Portfolio und bietet ein umfassendes Hotelprogramm, vom einfachen 3-Sterne-Hotel bis hin zum 5-Sterne-Luxussegment. Das Unternehmen mit Firmensitz in Düsseldorf ist 2016 als Teil der Anex Tourism Group (ATG) gegründet worden. Die ATG agiert seit 25 Jahren im internationalen Tourismusmarkt und gehört zu den weltweit führenden Reiseveranstaltern. ANEX Tour Deutschland verfügt über eigene Incomingagenturen, Hoteltransfers und Reiseleitungen in den Zielgebieten. Über BUCHER REISEN: Seit 30 Jahren ist Bucher Reisen Experte für Last-Minute- und ganzjährig günstige Reiseangebote - den "besten Deal zum Ziel". Bucher Reisen ist eine Marke der Anex Tour GmbH. Über ÖGER TOURS: Öger Tours ist seit über 50 Jahren der Spezialist für Türkei- und Orientreisen im deutschsprachigen Raum. Öger Tours ist eine Marke der Anex Tour GmbH. Über Neckermann Reisen: Die Traditionsmarke Neckermann Reisen, die im April 2022 ihr Comeback gefeiert hat, steht für Pauschalreisen mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis in beliebte Urlaubsländer.


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